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Betriebsstilllegung VMR Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH
28.06.2010 09:49
Betriebsstilllegung VMR Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH
Die Geschäftsführung der VMR Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH hat heute ihre Mitarbeiter darüber informiert, dass das Unternehmen zum 30. Juni 2011 stillgelegt werden soll. Nach den derzeitigen Planungen werden die Arbeitsverhältnisse aller bei der VMR beschäftigten Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt beendet. Es herrscht Einvernehmen darüber, dass ein geregelter und ordentlicher Übergang gewährleistet sein soll. Die Minden-Herforder-Verkehrsgesellschaft (mhv) wird nach aktueller Beschlusslage deshalb die Verkehre Herford und Umgebung sowie Minden und Umgebung zum 12. Juni 2011 im Rahmen eines wettbewerblichen Vergabeverfahrens neu vergeben. Voraussetzung für den Verfahrensbeginn ist jedoch das Vorliegen einer rechtskräftigen Genehmigung zur Entbindung von der Betriebspflicht seitens der Bezirksregierung Detmold.
„Wir sehen uns zu diesem Schritt genötigt, weil alle vorausgegangenen Bemühungen, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, gescheitert sind“, erklärte Henrik Behrens, einer der beiden Geschäftsführer der VMR Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH. „In den ersten Monaten nach der Übernahme der VMR im Juli 2007 durch Rhenus Veniro lag der Schwerpunkt vor allem in der Restrukturierung des Unternehmens und in der Optimierung des Verkehrsangebots. So konnte die Gesellschaft im Jahr 2008 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im folgenden Jahr sah sich die VMR dann trotz weiterer umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen mit einem Verlust von 2,5 Mio. € konfrontiert.“
Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, hat die Geschäftsführung in Abstimmung mit dem Gesellschafter im Januar diesen Jahres Gespräche mit den Aufgabenträgern Kreis Herford und Kreis Minden-Lübbecke aufgenommen, mit dem Ziel, eine öffentlich-private Gesellschaft mit einer Mehrheitsbeteiligung der Kreise zu gründen. Die Aufgabenträger hätten somit den ÖPNV im Rahmen einer Direktvergabe finanzieren können. Der Gesellschafter hatte sich im Rahmen dieser Gespräche bereit erklärt, über eine vertragliche Gestaltung auch zukünftig das Ergebnisrisiko der neuen Gesellschaft zu tragen. Der Kreis Herford hat der VMR daraufhin mitgeteilt, dass eine freiwillige, zusätzliche finanzielle Belastung als rechtlich unzulässig angesehen werde. Eine ähnliche Reaktion liegt aus dem Kreis Minden vor.
„Damit war klar, dass wir die von uns beabsichtigte weitgehende Sicherung der Einkommen der VMR-Mitarbeiter weder vollständig noch teilweise erreichen würden“, berichtet Wolfgang Orth, Geschäftsführer der VMR. „Denn die Gründe, die zu dem hohen Verlust im 2009 geführt haben, werden auch weiterhin bestehen bleiben. Und unser Gesellschafter ist nicht bereit, die entstehenden weiteren Verluste erneut alleine auszugleichen.“ Zu diesen Gründen gehört auch das im Nahverkehrsplan festgelegte überdimensionierte Leistungsangebot der VMR, das nach Worten der VMR-Geschäftsführung nicht kostendeckend zu realisieren sei. Auch das überdurchschnittlich hohe Lohntarifgefüge hätte die Kosten in die Höhe getrieben. Die VMR bezahle neben moBiel als einziges ÖPNV-Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe ihre Mitarbeiter nach dem kommunalen Spartentarif Nahverkehr NRW (TV-N NRW) und liege damit rund 30 Prozent höher als wettbewerbsfähige Tarifverträge. In den vergangenen zwei Jahren habe es zudem zu Lohnerhöhungen mit durchschnittlich je 4,5 Prozent Steigerung gegeben.
Im Jahr 2009 seien die Beiträge für den Pensionssicherungsverein zur Absicherung der Betriebsrenten um rund 250.000 Euro hochgeschnellt (sog. „Karstadt-Quelle-Effekt“). Die Fahrpreiserhöhungen im Verkehrsverbund „Der Sechser“ seien in den vergangenen Jahren zu niedrig ausgefallen und weit hinter den allgemeinen Kostensteigerungen zurück geblieben. Im Bereich des Schülerverkehrs musste VMR beim Ausgleich für rabattierte Schülertickets ab dem Jahr 2009 umfangreiche Verluste hinnehmen. Und nicht zuletzt sei das Unternehmen an zwei unangemessen teure Betriebshöfe gebunden, die es von E.on Westfalen-Weser (vormals EMR) gemietet hat. Als weiteren Grund gab Geschäftsführer Henrik Behrens den ruinösen Verdrängungswettbewerb in der Region Ostwestfalen-Lippe an. Durch den Verlust des Werrebus Löhne seien der VMR positive Deckungsbeiträge verloren gegangen.
Die beiden Geschäftsführer der VMR, Henrik Behrens und Wolfgang Orth betonen abschließend, dass sie den Schritt für außerordentlich bedauerlich, aber dennoch unabwendbar halten. „Wir bitten alle Beteiligten um eine auch weiterhin konstruktive Begleitung des Verfahrens“.
Die Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH (VMR) sind das größte Verkehrsunternehmen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke und betreiben auf einer Fläche von ca. 530 km² leistungsstarke Verbindungen innerhalb und zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden. Der Linienverkehr wird durch die Betriebshöfe Herford und Minden abgewickelt und organisiert. Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in Herford.
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